In einer Forschergruppe um den Agrarwissenschaftler Jürgen Fritz am Standort Witzenhausen der Universität Kassel wurde eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt. Sie stützt sich auf die Erforschung des Mikrobioms im Boden, die in den letzten Jahren an zahlreichen Universitäten durchgeführt wurde. Es ist mittlerweile bekannt, dass das aus Bakterien und Pilzen bestehende Mikrobiom sowohl beim Menschen wie im Boden nur zu einem kleinen Teil zu Krankheiten führt, viel wichtiger ist der Beitrag dieser kleinen und äußerst zahlreichen Lebewesen zur Gesundheit. Die Mikroorganismen des Bodens hat man in den letzten Jahren anhand ihrer Gen-Sequenzen untersucht und kann mittlerweile die Gruppen identifizieren, die eine wachstumsfördernde Wirkung haben. Sie produzieren zum Beispiel wachstumsfördernde Hormone, verbessern das Wasserhaltevermögen des Bodens und leisten einen positiven Beitrag zur Stressresilienz etwa gegen Hitze, Dürre oder Nässe. Sie werden Plant Grow Promoting Microorganism (PGPM) genannt.
Es gibt nun im konventionellen Landbau Versuche, den Boden zu beimpfen mit diesen PGPM, die günstig sind für das Pflanzenwachstum und sich im Wurzelbereich der so behandelten Pflanzen rasant vermehren. „Die Wirkung ist gering, wenn dafür nur ein Bakterienstamm verwendet wird“, hat Jürgen Fritz festgestellt. „Hingegen hat es eine größere Auswirkung, wenn der Boden mit einer Mischung von mehreren Bakterienstämmen beimpft wird. Dann macht auch noch die Herkunft einen Unterschied: Im Labor gezüchtete Bakterienstämme sind weniger effektiv als aus der Natur gewonnene, weil letztere besser angepasst sind. Ideal wäre es, eine hohe Zahl Bakterien- und Pilzstämme aus der Natur zu verwenden und diese nicht, wie üblich im Labor, sondern in der Natur zu vermehren.“
Die leitende Frage des Versuchs war nun, ob die biologisch-dynamischen Präparate diese Eigenschaften erfüllen und ob sie in diesem Sinne eine Beimpfung des Bodens mit PGPM darstellen – und dadurch auch ein Stück weit in ihrer Wirksamkeit erklärt werden können.
Hunderte Proben
Ausgewählt für die Untersuchung wurden die von Rudolf Steiner 1924 für die biologisch-dynamische Landwirtschaft entwickelten Spritzpräparate Hornmist und Hornkiesel. Dabei wird ein Kuhhorn befüllt, beim Hornmistpräparat mit Kuhmist und beim Hornkieselpräparat mit fein gemahlenem Quarz, und bei Hornmist über den Winter, bei Hornkiesel über Sommer in der Erde vergraben. Nach einem halben Jahr wird die verwandelte Präparatesubstanz aus dem Kuhhorn entnommen, eine Stunde lang rhythmisch in Wasser verrührt und dann mit einer Spritze auf den Feldern ausgebracht. Dabei werden 100 Gramm Präparat in 100 Liter Wasser verrührt und auf 10.000 Quadratmetern Fläche verteilt – eine starke Verdünnung also, aber die Präparatesubstanz ist im Wasser noch deutlich nachweisbar vorhanden.
Zunächst musste nun der PGPM-Anteil in den Präparaten selbst untersucht werden. Der war erwartungsgemäß hoch. Dann wurden die Präparate an 24 verschiedenen Standorten mit sehr unterschiedlichen Bodenverhältnissen in Deutschland und Frankreich immer zur Hälfte ausgebracht und zur Kontrolle auf der anderen Hälfte nicht ausgebracht, zum Teil mehrere Jahre hintereinander. Es kamen also hunderte zu untersuchende Bodenproben zusammen.
Das hat sich aber gelohnt, denn die Ergebnisse sind überzeugend. Nicht nur enthalten die behandelten Böden mehr PGPM als die unbehandelten, vielmehr findet man in etwa auch die PGPM-Zusammensetzung wieder, die in der Präparatesubstanz enthalten war. Das Präparat regt also den Wurzelbereich der Pflanzen zur Bildung bestimmter Kleinstlebewesen in höherem Maße an als in Böden ohne Behandlung, und es werden im Sinne einer Kolonisierung genau diejenigen Bakterien und Pilze gebildet, die auch im Präparat enthalten sind. Die Entwicklung des Mikrobioms zeigt zudem den aus der Forschung bekannten Verlauf für eine Beimpfung: die Wirkung steigt acht Wochen lang an und wird dann weniger. Mehrmaliges Beimpfen führte zu einer höheren Wirkung.
Insgesamt darf man also aus den Untersuchungen ableiten, dass die Präparate den Effekt einer sehr effektiven Beimpfung haben – mit einer wesentlich geringeren (und kostengünstigeren) Substanzmenge wird eine deutliche Wirkung erzielt.
Intelligenz im Allerkleinsten
An einem Standort jedoch, in Geisenheim, war keinerlei Effekt nachzuweisen, in der Tendenz war der Effekt sogar entgegengesetzt. Darin zeigt sich, dass es im Lebendigen keine immer gleichen Effekte gibt, sondern dass die Wirkungen in einem Zusammenhang mit der Gesamtkonstellation stehen. Der Boden in Geisenheim ist außerordentlich stickstoffreich und eine Zugabe von mehr wachstumsfördernde PGPM ist hier nicht erforderlich, sie würde nichts mehr verbessern. Jürgen Fritz erklärt: „Wir wissen, dass die Pflanzen für sie günstige Bakterien und Pilze im Wurzelraum gezielt vermehren können. Die Präparate sind möglicherweise ein Angebot von PGPM an die Pflanzen, das diese selektiv verstärken, je nach Situation und Stressfaktor.“ Das deckt sich mit der Beobachtung erfahrener biologisch-dynamischer Landwirte, dass die Präparate insbesondere unter Stress positive Wirkungen entfalten.
Auffällig ist auch, dass zwei normalerweise zu den PGPM gehörende Sorten von Kleinstlebewesen – diejenigen, die Abscisinsäure und Salicylsäure bilden – weder im Präparat noch im Boden enthalten sind. Warum das so ist, ist noch nicht bekannt. „Das Mikrobiom im Boden ist ein Spiegel seiner Umwelt“, fasst Jürgen Fritz zusammen. „Soweit wir es bisher verstehen, bieten Präparate der Pflanze eine Diversität an, die ihr hilft, sich selber besser bei Wachstumsstress zu realisieren.“ Pflanze und Mikrobiom haben anscheinend so etwas wie eine gemeinsame Intelligenz, durch die die Bildung günstiger Mikroorganismen situationsadäquat angestoßen wird – oder eben nicht.
Durch die neue Studie gibt es nun erstmals ein auch für die aufs Äußere gerichtete Wissenschaft nachvollziehbares Wirkmodell der biodynamischen Präparate. Jürgen Fritz: „Das beschreibt natürlich nur eine Ebene, wie die Präparate wirken können.“ Vielleicht kann man das Gemeinte am Beispiel der Meditation verdeutlichen. In der Meditation sinkt der Blutdruck, das können wir messen. Aber das ist ja nicht die einzige Wirkung von Meditation. Ebenso bleibt es bei den Versuchen zu den Präparaten offen, welche weiteren Wirkungen sie haben. Rudolf Steiner hat 1924 sicherlich nicht an das Mikrobiom gedacht – das kannte man damals noch gar nicht. Er hat verschiedene Elemente zusammengestellt und zu einer Interaktion gebracht, die in der Natur so nicht vorkommt, aber in sich selbst Sinn macht. Diese Neuschöpfung kommt dann beispielsweise im Mikrobiom zum Ausdruck, hat dort aber nicht ihren Ursprung. Hier gibt es noch viel zu verstehen.
Vorerst offen bleibt auch, ob, so Jürgen Fritz, „das im Boden aufgebaute Potenzial tatsächlich in höherer Resilienz der Pflanzen resultiert. Das ist Gegenstand weiterer Forschung.“ Nach den Erfahrungen, die mit den Präparaten vorliegen, darf man jedoch auch hier positive Ergebnisse erwarten. Und die würden dann bedeuten: größere Resilienz bei Stress und dadurch auch ein höherer Ertrag bei der Ernte. ///
- Zur besprochenen Studie: Milke et al. (2024): Enrichment of putative plant growth promoting microorganisms in biodynamic compared to organic agriculture soils. ISME Communications 2024 Feb: 4(1). doi.org/10.1093/ismeco/ycae021
- Weitere Studien zu den Präparaten
Dieser Beitrag stammt aus der info3-Ausgabe Juni 2025.



