Die Eltern von Fritz sind ratlos. Abends kommt er nicht zur Ruhe, will nur im Elternbett schlafen und will beim Einschlafen immer die Hand von Mama spüren. „Wo schlafen Sie?“, frage ich den Vater und höre, dass er inzwischen im Kinderzimmer schläft. Die Nächte sind unruhig, berichtet die Mutter, Fritz bewege sich viel und habe wohl auch unruhige Träume. Wenn es dann am Morgen eilt mit dem Anziehen, Frühstücken und Fertigmachen für den Kindergarten, ist nicht nur Fritz müde.
Schlafstörungen im Kindergarten- und Grundschulalter sind häufig – Schlafstörungen bei Erwachsenen ebenfalls! Während Fritz inzwischen in meinem Sprechzimmer die Kugelbahn entdeckt hat, spreche ich mit den Eltern. Wir sind uns einig, dass der Schlaf gerade für die Entwicklung im Kindesalter sehr wichtig ist. Denn in der Nacht wächst der Körper nicht nur am stärksten, sondern alle Organe werden dabei auch umgebaut, geformt, je nachdem was das Kind untertags erlebt und getan hat – nicht nur mit dem Gehirn, sondern zum Beispiel auch mit Armen und Beinen. Der Zuwachs an Kraft und Geschicklichkeit hängt ebenso vom Schlaf ab wie die Funktion des Immunsystems und des Gedächtnisses. Ich füge hinzu: Gleiches aber gilt für die Gesundheit der Erwachsenen, ob das den Blutdruck oder auch die Häufigkeit von Krebserkrankungen betrifft!
Wenn wir auf die Ursachen von kindlichen Schlafstörungen blicken, sind auch hier die Erwachsenen oft mit beteiligt. Natürlich gilt es, körperliche Ursachen wie eine verlegte Nasenatmung durch eine vergrößerte Rachenmandel („Polypen“) auszuschließen. Autismusspektrumstörungen, Behinderung, schwere körperliche Erkrankungen, Medikamente bei ADHS können den Schlaf stören. Studien aber zeigen, dass der kindliche Schlaf am häufigsten gestört ist durch unregelmäßiges Zubettgehen, familiären Stress, elterliche Erschöpfung oder Lärm- und Lichtbelästigung.
Hier kann konkrete Hilfe ansetzen. Entscheidend ist, dass sich Fritz sicher fühlen kann, gerade dann, wenn es wie beim Einschlafen gilt, sich auch voneinander zu lösen. Dazu gehört zunächst ein möglichst regelmäßiger zeitlicher Rhythmus im Familienleben, auch am Wochenende und in den Ferien. Wie auf einem Bauernhof sollte der Morgen und der Abend „seine Zeit“ haben. Während des Abendessens und bis zur Einschlafzeit empfiehlt es sich, das Telefon abzuschalten. In dieser Zeit ist die gemeinsame Präsenz von Mutter und Vater am wichtigsten, verstärkt das Sicherheitsgefühl beim Einschlafen und erleichtert die Lösung. Ein Ritual mit einem Schlaflied und einem Gebet kann das Geborgenheitsgefühl stärken. Wichtig ist die Wärme – mit kühlen Füßen schläft man nicht gut ein. Bei vielen schlafgestörten Kindern bewähren sich Solum-Öleinreibungen (mit Lavendel und Moorextrakt), um eine schlaffördernde warme Hülle vor allem in den Wintermonaten zu vermitteln und die Sinne zu beruhigen.
Wesentlich ist es nach meiner Erfahrung, dass Erschöpfungszustände – meist der Mutter – erkannt, ausgeglichen und behandelt werden (z.B. 2 x 2 Tabletten Neurodoron® täglich). Drei Nächte allein schlafen, während der Vater übernimmt, kann Erschöpfungszustände abbauen. Vielfach leidet die Paarbeziehung der Eltern am Verlust der Intimsphäre. Bei Fritz haben wir besprochen, wo in der Wohnung für ihn ein guter Schlafplatz ist, an dem er einschlafen kann, nah genug an den Eltern – nicht in einem anderen Stockwerk! – und doch so gelegen, dass Fritz nicht den elterlichen Schlaf stört und Vater und Mutter trennt. Denn jede Störung der elterlichen Beziehung kann unbewusst Ängste bei den Kindern wecken und Schlafstörungen hervorrufen oder verstärken.
Letztlich stellen kindliche Schlafstörungen an uns Erwachsene die Frage nach dem Vertrauen: können die Kinder uns vertrauen? Vertrauen wir einander? Und mit welchem Vertrauen gehen wir in die Nacht, schlafen wir ein? ///
Dieser Beitrag stammt aus der info3-Ausgabe Mai 2026.



