Homöopathie und Anthroposophische Medizin sollen weg

Schriftzug Gesundheitsreform

2024 gab es eine sehr erfolgreiche Petition zum Erhalt der Erstattung anthroposophischer und homöopathischer Medikamente und entsprechender Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) – zwar nur als Satzungsleistung und damit freiwillig, aber immerhin. Nun stehen diese „Besonderen Therapierichtungen“ wieder auf dem Prüfstand; im aktuellen Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken gehören sie zu den Streichkandidaten. Das hat weniger finanzielle Gründe (die Einsparung beträgt mit 50 Mio. Euro 0,014 Prozent der Gesamtausgaben der GKV in Höhe von 350 Mrd. Euro), vielmehr möchte hier wohl der wissenschaftliche Reduktionismus die Oberhand behalten. So heißt es im Gesetzentwurf zu Stabilisierung der Beitragssätze in der GKV: „Für die Wirksamkeit homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel und Leistungen liegt keine hinreichende wissenschaftliche Evidenz vor.“ Nun, es hat in den letzten Jahren zahlreiche Studien mit hinreichender Evidenz gegeben (siehe zum Beispiel hier und hier). Die Nutzung dieser Therapierichtungen, heißt es weiter, „sollte daher nicht vom Versichertenkollektiv der Krankenkassen finanziert werden. Die Erstattungsfähigkeit von Homöopathie und Anthroposophie in der GKV wird daher gestrichen. Versicherte können sich homöopathische und anthroposophische Leistungen weiterhin selbst beschaffen und bei Bedarf private Versicherungen zur Kostenübernahme abschließen.“

Der Gesetzentwurf soll bereits am 29. April im Kabinett vorgelegt werden. Der Prozess bis zu einem Beschluss wird sich aber noch länger hinziehen. Hier steht nicht nur die Erstattungsfähigkeit zur Debatte steht, sondern nach der erfolgreichen Petition auch die Frage, wie viel Wahlfreiheit Patient:innen haben und wie die Politik mit gesellschaftlicher Rückmeldung umgeht. Deshalb ruft die Bürgerkampagne Weil’s hilft, an der auch der Patientenverband Gesundheit aktiv beteiligt ist, dringlich dazu auf, sich zu engagieren und die entscheidenden Personen anzuschreiben.

Auf der Website von Weil’s hilft finden sich alle diesbezüglichen Adressen und auch Formulierungsvorschläge.

Über den Autor / die Autorin

Anna-Katharina Dehmelt

Anna-Katharina Dehmelt, Jahrgang 1959, studierte Musik, Wirtschaftswissenschaft und Anthroposophie. Sie hat intensiv auf dem Feld der anthroposophischen Meditation gearbeitet, geforscht, vernetzt und anthroposophisches Meditieren bekannt gemacht, zuletzt auch mit dem von ihr begründeten Institut für anthroposophische Meditation. Zudem ist sie Dozentin an verschiedenen anthroposophischen Ausbildungsstätten.
Seit Mai 2021 ist sie Redakteurin bei info3.

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