Unsere Hausrunde beginnt immer mit den Zahlen: Wie viele Exemplare des neuen Heftes wurden verkauft? Wie viele Bücher und welche? Wie kamen die Angebote der Bücherpost an? Und einmal im Monat erfahren wir auch, wie sich die Anzeigen fürs nächste Heft entwickelt haben. Wenn wir vollzählig sind, sind wir in der Hausrunde zu acht, der neunte, der weit weg wohnt, kommt manchmal per Telefon dazu. Ansonsten sind wir vor Ort, fünf von acht sind täglich da, die anderen kommen zwei Mal pro Woche vorbei.
Nach den Verkäufen berichtet einer nach der anderen: zwei erzählen aus der Zeitschriften-Redaktion: wo sie dran sind, wen sie getroffen haben, wohin die nächste Reise geht; drei berichten vom Stand des Buchprogramms, zwei aus dem Vertrieb und zwei von den Anzeigen, und die drei vom Layout steuern Schönheit bei … hoppla! Das waren jetzt aber schon mehr als acht, und es fehlen noch die ganze Organisation und die Finanzen? Das liegt daran, dass fast alle in mehreren Bereichen unterwegs sind. Trotzdem haben alle zusammen nur sechseinhalb Stellen. Eine kleine Runde, die viel wuppt. (Wer genauer wissen will, wer wer ist, der möge einen Blick ins Impressum werfen.)
Neben der Hausrunde, die etwa alle 14 Tage stattfindet, trifft sich monatlich die Redaktion. Der gehören die zwei hauptsächlich für die Redaktion tätigen Frankfurter und drei „Externe“ in Nord und Ost an – deshalb treffen wir uns das Jahr hindurch online, einmal im Jahr aber auch live zu einer Klausur. Wir planen zusammen die nächsten Hefte vom Schwerpunktthema bis zu den einzelnen Artikeln, und alle fünf schreiben auch selbst. Manchmal bekommen alle einen Text vorab zu lesen, wenn’s etwa um besonders brisante Themen geht wie den Umgang mit der AfD oder die Brandmauer, um Vielfalt und Migration. Wir sind uns nicht immer einig, aber können uns immer einigen. Wichtiger als das Vertreten bestimmter Standpunkte ist uns ohnehin der aufgeklärte, nachdenkliche und konstruktive Blick auf die Welt. Situationsbezogene und individuelle Urteile liegen uns näher als eine simplifizierende Linie. Wir interessieren uns für Ideen, die uns weiterbringen! Darin treffen wir uns.
Besondere Verdichtungen sind die fünf Tage, in denen das Layout der Zeitschrift entsteht: Seitenaufstellung, Gestaltung, Korrektur, Abnahme. Danach machen wir noch unseren kleinen Podcast – und fertig ist das neue Heft.
Bedingungen der Unabhängigkeit
Vor zwei Jahren waren wir in Frankfurt noch drei Personen mehr. Durch Tod, Altersgrenze und Kündigung sind wir um zweieinhalb Stellen geschrumpft, die wir nur marginal ersetzt haben. Seither hat unser Leben bei Info3 ein wenig Ruhe eingebüßt, dafür hat sich die finanzielle Lage erstmal entspannt.
Und das ist für unser Lebensgefühl schon ziemlich wichtig. Denn anders als die anderen großen anthroposophischen Zeitschriften steht hinter uns kein Verband und keine Gesellschaft, die uns finanziell unter die Arme greift. Aber auch niemand, der eine Linie vorgibt und dessen Interessen wir vertreten müssen. Info3 ist ein reiner Wirtschaftsbetrieb – mit geistiger Zielsetzung! – und kein Verbandsorgan. Das heißt, wir leben nur von dem, was wir verkaufen. Und damit auch von unserer Unabhängigkeit. Denn bei uns redet niemand von außen mit. Von innen dafür alle!
Das äußert sich an verschiedenen Stellen. Bereits die Eigentumsstruktur ist so angelegt, dass über das Eigentum an der Info3-Verlagsgesellschaft KG kein Druck ausgeübt werden kann. Wir sind seit den neunziger Jahren kapitalneutralisiert, waren schon ein Unternehmen in Verantwortungseigentum, als es diesen Namen noch gar nicht gab. Das Eigenkapital liegt in den Händen eines Stillen Gesellschafters – das ist seit 2013 die GLS Treuhand. Die persönlich haftenden Gesellschafter, formal die Eigentümer, können ihre Anteile weder verkaufen noch vererben. Sie erhalten wie alle anderen nur das verabredete Salär. Gewinne verbleiben im Unternehmen.
Ein zweiter, Unabhängigkeit garantierender Aspekt ist eben die auch innerhalb des Verlags autonome Redaktion und die Hausrunde, in der alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Wie feiern wir unseren 50. Geburtstag? (Am 12. September!) Ersetzen wir die Mitarbeiterin, die gekündigt hat? (Vorerst nicht.) Riskieren wir, die Zeitschrift auch weiterhin als App anzubieten? (Ja, auch wenn sie sich noch gar nicht rentiert.) Was machen wir mit den zigtausenden Postkarten aus Weißenseifen, die unser Gründer Ramon Brüll uns hinterlassen hat und die wir schwerlich noch verkaufen werden? (Haben Sie Interesse?) Wir arbeiten also selbstverwaltet, schützen Initiativen, die aus unserer Runde entstehen und lassen uns gegenseitig die Freiheit, positiv zu arbeiten.
Unsere Kunden ermöglichen Info3
Eine zentrale Frage ist die Höhe der Gehälter. Die ist seit vielen Jahren konstant, und war schon vor vielen Jahren recht idealistisch ausgerichtet, also niedrig. Die Schraube, an der wir drehen können, sind zusätzliche Zahlungen als Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Das entscheiden wir angesichts des Jahresabschlusses gemeinsam in der Hausrunde. Aber es muss einmal ganz deutlich gesagt sein, dass es an ein Wunder grenzt, dass wir bei diesen Gehältern immer noch alle dabei sind. Es spiegelt sich darin, dass wir gerne bei Info3 arbeiten und uns unsere Produkte am Herzen liegen. Oder kurz gesagt: wir alle haben eine hohe Identifikation mit Info3.
Aber es spiegelt sich darin auch, dass wir die Nöte des Zeitschriften- und Büchermarktes nicht anders als durch geringe Gehälter und viel Arbeit kompensieren können. Es ist ja bekannt, dass fast alle Zeitungen und Zeitschriften in den letzten 30 Jahren an Auflage verloren haben. Auch der Buchmarkt hat nachgelassen. Und unsere Leserschaft wird schon aus Altersgründen weniger, auch wenn wir die Abozahlen zuletzt gerade so konstant halten konnten. Zum Glück haben wir in besseren Zeiten Rücklagen gebildet.
Doch auch das sei noch einmal ganz deutlich gesagt: Wir leben von Ihrem Interesse an der Zeitschrift und an unseren Büchern, und letztlich leben wir von Ihren Käufen und Abos. Könnten Sie vielleicht nochmal überlegen, ob sie statt Info3 im Wartezimmer des Arztes zu lesen nicht doch selber ein Abonnement abschließen wollen? Oder jemandem ein Abo schenken können? Auch über Einzelheft-Verkäufe freuen wir uns, sei es analog oder per App. Und natürlich die Bücher! Das sind alles für uns Überlebens-Mittel. Sie unterstützen damit unabhängigen Journalismus und freies Geistesleben!
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Bleiben Sie dran – wir tun das auch! ///
Dieser Beitrag stammt aus der info3-Ausgabe Juni 2026.



