Alles eine Sache der Chemie

Fröhlicher Schüler. © Racle-Fotodesign, AdobeStock
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Aus “Beziehungsweise Schule”, der monatlichen Kolumne von Nadine Mescher in der Zeitschrift info3.

Der Vorhang ist gefallen. Das Stück lief grandios … und dann war es einfach so vorbei. So plötzlich, wie es das immer ist, nach Monaten voller Höhen, Tiefen, Fluchen, stark werden. Da war die Pizza vor den Abendaufführungen, in der großen Runde. Lagebesprechung. Alle waren überpünktlich. Stützten einander, rockten danach zusammen die Bühne. Und jetzt liegt das einfach schon wieder hinter uns.

Ja, da war ein Nachleuchten. Etwas hat sich inzwischen gesetzt. Jetzt kommt noch Mathe. Chemie. Der ganz normale Stundenplan. Und die Wunschstunden. „Was möchtet ihr noch lernen? Was kann ich euch mitgeben für die Oberstufe?“ Das habe ich gefragt, als offenes Angebot. Statt der Theaterstunden gibt es jetzt nämlich Wunschstunden. Bedeutet: Ich bereite gemeinsames Arbeiten an gewünschten Themen vor. Lade Gäste ein. Jeder Achtklässler kann kommen. Wen es aber nicht interessiert, geht einfach nach Hause. Das ist rechtlich möglich, denn üblicherweise wird die Doppelstunde nach der Theaterzeit im Stundenplan „abgehängt“. Wir füllen sie aber noch mit dieser Zeit des Übergangs. Es ist meine Freizeit und die Freizeit der Schüler:innen, die wir hier mit Blick auf die Oberstufe noch gestalten.

Was sich meine Schülerinnen und Schüler gewünscht haben? Ich soll eine Landtagsabgeordnete einladen, für ein politisches Gespräch. Auch sind bereits zwei Termine mit der Aidshilfe vereinbart, denn das Thema Safer Sex, getrennt nach Geschlechtern, das stand ganz oben auf der Liste. Ebenso wie Unterrichtseinheiten über Alkohol, Vapen und Zocken. Auch gewünscht für die nächsten, wichtigen Jahre: Eine Einheit unter dem Motto „Das Lernen lernen“. Ich muss sagen, diese „Wunschstunden“ berühren mich sehr, denn es heißt ja so schön: 14jährige tragen dieses unsichtbare Schild mit sich, auf dem steht: „Wegen Umbau geschlossen“. Aber in unserer vertrauten Runde, ohne den moralischen Zeigefinger, öffnen sich doch Türen. Und was für welche. Dass wir diese Themen jetzt noch gemeinsam bewegen dürfen, das ist so ein schöner letzter Beweis dafür, was acht gemeinsame Jahre miteinander aufbauen können.

Dazwischen liegt die Paddeltour auf der Ems. Jede und jeder mit dem Paddel, das selbst in der Holzwerkstatt gebaut wurde. Als Team in einem Boot, auf demselben Fluss. Aber diesmal: Kein Vorhang, kein zweiter Versuch. Der Fluss kennt keine Generalprobe. Er nimmt alle mit – die Schnellen und die Zögernden, die Starken und die, die sich noch nicht ganz trauen. Und er bringt alle ans Ziel, wenn alle sich aufmachen und ziehen.

Acht Jahre. Mathe, Chemie, Ems. Und dann …

Dieser Beitrag stammt aus der info3-Ausgabe Juni 2026.

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Über den Autor / die Autorin

Nadine Mescher

Nadine Mescher ist Waldorflehrerin und freie Autorin. Seit die eigenen drei Kinder groß geworden sind, publiziert sie Pädagogisches, unter anderem auf montagskindblog.de und bei Instagram.