Es gibt Zeiten, in denen der österliche Jubelruf für mich selbst zunächst ziemlich hohl klingt und das Osterwunder lediglich als frommes Märchen erscheint. In der Welt tobt der Wahnsinn derart, dass ich mich nach der Zeitungslektüre und dem damit unweigerlich verbundenen Konsum jeder Menge schlechter Nachrichten meist hundeelend fühle. Über die vielen segensreichen Initiativen und Entwicklungen, die es ja genauso gibt, wird wenig berichtet; gute Nachrichten verkaufen sich leider schlechter als Skandale und Angsteinflößendes.
Wenn ich mich von der Gesamtsituation ohnehin belastet fühle und das Nervenkostüm entsprechend dünn wird, fallen individuelle Widrigkeiten, die ich sonst locker wegstecke, mehr ins Gewicht: Eine Kollegin schnappt einen schönen Auftrag weg; bei einer Coaching-Klientin stellt sich trotz bester Vorbereitung und harter Arbeit der gewünschte Erfolg nicht ein; ein mit viel Herzblut geschriebener Text wird nicht gedruckt … Die Aufzählung könnte weitergehen.
In Phasen derartiger nervlicher Zerreißproben entlastet mich der Gedanke an eine neutestamentliche Erzählung und bringt mich sogar am Rande der Verzweiflung noch manchmal zum Schmunzeln. Der Evangelist Markus erzählt, wie Jesus voller Mitgefühl seine Fischerfreunde bei der Arbeit beobachtet: „Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind“ (Markus 6,48).
Haben Sie schon einmal versucht, bei Gegenwind zu rudern? Sie kommen kaum voran und wenn Sie nur für einen Moment in Ihren Bemühungen nachlassen, treibt Ihr Boot sofort zurück und die hart erkämpfte Wegstrecke ist wieder verloren. Für mich nimmt dieses Bild ein wenig das Drama aus meinem eigenen Erleben und führt mich zurück ins Vertrauen, denn ich werde erinnert: Ich bin nicht allein in meinem Kämpfen und auch dieser Sturm wird sich irgendwann wieder legen und es wird leichter gehen.
Bei näherer Betrachtung hilft mir dann doch auch die Osterbotschaft, gerade in Phasen, in denen Zuversicht schwerfällt, und selbst jenseits des historischen Geschehens, das man glauben kann oder nicht. Zum einen ist es das Vorbild dieses Heilers und Friedenstifters Jesus von Nazareth. Dank des ihn durchdringenden Christusbewusstseins war er von solch unerschütterlichem Vertrauen getragen, dass keine weltliche Macht und keine noch so grausame Tortur ihn von seinen Idealen und seinen sich in grenzenloser Mitmenschlichkeit ausdrückenden Überzeugungen abbringen konnte. Er hielt Kurs, auch wenn er wusste, dass es für ihn und seine Gefährtinnen und Gefährten um Leben und Tod ging. Was für ein Leitstern!
Zum anderen sagt mir Ostern: Auch wenn eine Situation völlig ausweglos und verfahren erscheint und weit und breit kein Hoffnungsschimmer aufstrahlt, so kann es doch die plötzliche Wende geben, die alles verändert. Glaube bedeutet für mich, auch im tiefsten Dunkel und in der schwärzesten Nacht im Vertrauen darauf zu bleiben, dass das Unerhörte geschehen kann: Das Christusbewusstsein findet ein Einfallstor in diese Welt und durchdringt alles. Plötzlich spüren wir die Allverbundenheit, entlarven die Grenze zwischen „Ich“ und „Du“ als Illusion, begreifen uns als Teil der Schöpfung und spüren nichts anderes mehr als fließende Liebe.
Wenn wir kollektiv in diesem Vertrauen bleiben und uns immer wieder darauf ausrichten, entmachten wir das Dunkle und bahnen dem Hellen und Lichten den Weg. Und wir haben die Kraft weiter zu rudern – auch wenn uns der Wind noch so unerbittlich ins Gesicht bläst.
Dieser Beitrag stammt aus der info3-Ausgabe April 2026.



