Musiktherapie nutzt Musik, um die seelische, körperliche und geistige Gesundheit zu fördern – und kann genauso wirkungsvoll wie ein Opioid (Schmerzmittel) oder eine Verhaltenstherapie sein. Bei welchen Erkrankungen sie eine wertvolle Ergänzung zu Psychotherapie oder Medikamenten darstellt und wie wirksam sie tatsächlich ist, erläuterte die Expertin Sabine Koch im Rahmen des 13. Europäischen Musiktherapie-Kongresses Ende Juli in Hamburg. Die Professorin für Empirische Forschung in den Künstlerischen Therapien an der Alanus-Hochschule in Alfter und Direktorin des dortigen Forschungsinstituts für Künstlerische Therapien (RIArT) plädierte dafür, Musiktherapie als kosteneffizientes Mittel auch in der ambulanten Versorgung stärker einzusetzen.
Zahlreiche Studien zeigen, dass Musiktherapie eine gesundheitsfördernde Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen entfaltet. Die Effekte sind zusammengefasst in einer aktuellen Metaanalyse, in die knapp 4000 randomisierte kontrollierte Primärstudien zur Anwendung künstlerischer Therapien einflossen. Besonders gut erforscht und erprobt sind musiktherapeutische Anwendungen bei chronischen und akuten Schmerzen. „Insgesamt ist ihre Wirkung hier ähnlich gut wie die Behandlung mit Opioiden, jedoch ohne unerwünschte Nebenwirkungen“, erläutert Koch. Darüber hinaus verbessert Musiktherapie körperliche Funktionen und Schlafqualität, lindert Müdigkeit, Angst und Depression.
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse plädiert die Expertin dafür, Musiktherapie häufiger einzusetzen und als Kassenleistung in die ambulante Versorgung aufzunehmen. „Angesichts der Tatsache, dass Psychotherapie in jedem fünften Fall abgebrochen wird, in vielen Kulturen mit sozialem Stigma behaftet ist und reine physiologische Behandlung oder Medikamententherapie oftmals mit Motivationsverlusten oder Nebenwirkungen einhergeht, kann Musiktherapie eine gute therapeutische Ergänzung sein – zumal die Kosteneffizienz sehr gut ist, wie neue Studien belegen“, so Koch. – Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft/Red./lk

