Brückenbauer zwischen Welten: Tho Ha Vinh gestorben

Am 26. September 2025 starb Tho Ha Vinh – einen Tag vor seinem 74. Geburtstag.

Die Nachricht erfüllte viele mit Trauer und tiefer Dankbarkeit für die Lebensspur, die er voller Hingabe, Weisheit und Menschlichkeit gezogen hat. Sein Leben und Wirken waren geprägt von einer tiefen Verbundenheit zwischen Ost und West, die sich in seiner Persönlichkeit und spirituellen Haltung spiegelten.

Sein Vater stammte aus Vietnam, seine Mutter aus Frankreich, seine Frau war gebürtige Österreicherin. Als junger Mensch führte sein Weg ihn nach Dornach, wo er sich zum Eurythmisten ausbilden ließ.

Seine berufliche Laufbahn gestaltete sich vielfältig: Von der Heilpädagogik über humanitäre Einsätze für das Rote Kreuz in Kriegs- und Krisengebieten bis hin zur Leitung des Zentrums für Bruttonationalglück in Bhutan. Er wurde Lehrer in der vietnamesischen Zen-Tradition des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh und war zugleich tief anthroposophisch geprägt. Spirituelle Strömungen betrachtete er als Sprachen.

Da er in verschiedenen Sprachen und Kulturen aufgewachsen ist, war er von beiden geprägt. Er sah es als sein Schicksal und seine Aufgabe, beide authentisch zu leben. Er suchte dabei das Trennende zu überwinden.

Sein Leben zeigt auf eindrucksvolle Weise wie die Verbindung von innerer Arbeit und gesellschaftlichem Engagement aussehen kann. Ob in seiner Leitungsfunktion für Bildungsprogramme des Roten Kreuzes, als Mitbegründer eines Camphill-Dorfes in Vietnam oder als Wegbereiter des Bruttonationalglücks in Bhutan – überall suchte er nach Wegen, soziale Verantwortung mit spiritueller Praxis zu verbinden.

In Vietnam prägte er insbesondere die Happy Schools, ein innovatives Bildungsmodell, das Glück, Gemeinschaft und Umweltbewusstsein in den Schulalltag integriert.

Tho Ha Vinh verband die Menschenkunde der Anthroposophie mit einer gelebten Mitgefühlspraxis des Buddhismus. Für ihn galt, „dass das Gesagte von innen heraus kommen muss: nicht angelesenes Wissen, sondern gelebte Erfahrung, die in der Haltung wahrhaftig ist“.

Er und seine Frau Lisi Ha Vinh bildeten ein kraftvolles Paar, das nicht nur die eigene Familie liebevoll führte, sondern auch Bildung, soziale Verantwortung und gelebte Spiritualität in zahlreichen gemeinsamen Projekten vorantrieb. – Griet Hellinckx