In meiner Praxis wird von Verstopfungen bei Jung und Alt oft erst auf Nachfrage berichtet. Stuhlgang seltener als an jedem zweiten Tag ist jenseits der Stillzeit ebenso ein Symptom wie harter, gar bei Entleerung schmerzhafter Stuhl. Vor allem Mädchen und Frauen neigen öfter dazu, den Stuhl aktiv zurückzuhalten, etwa aus Ekel vor Schul- und öffentlichen Toiletten. Als Arzt kann ich vor allem im linken Unterbauch Stuhlmassen tasten und im Ultraschall stellt sich der absteigende Dickdarm erweitert und gefüllt dar.
Es ist anrührend, wie Leopold Mozart in seinem letzten Brief an Sohn Amadeus glücklich berichtet, dass er heute Stuhlgang gehabt habe – Verstopfung ist im Alter häufig, wenn Menschen auch aus Angst vor Stürzen sich immer weniger bewegen, oft wenig trinken und sich einseitig ernähren. Menschen mit spastischer Lähmung zum Beispiel nach einer Gehirnblutung leiden oft an Verstopfung – auch hier hängt die gestörte oder fehlende Bewegung mit einer entsprechend gestörten Bewegung des Darmes zusammen. Meist aber sprechen wir von einer „funktionell“ bedingten Verstopfung, bei der weder Nerven noch Darm eine physische Schädigung aufweisen. Bei kleineren Kindern kann ein Schockerleben, eine schmerzhafte Entleerung bei einem kleinen Riss der Afterschleimhaut Auslöser von Verstopfung sein. Viele Kinder mit Verstopfung haben auch Probleme, ihre Blase gut zu kontrollieren – und nicht selten stehen psychische Probleme dabei mit im Hintergrund oder auch eine Störung aus dem Autismusspektrum. Bei Erwachsenen mit einer neu auftretenden Verstopfung muss auch an eine ernste Darmerkrankung gedacht und diese gegebenenfalls ausgeschlossen werden.
Wenn wir sicher sind, dass die Ursache der Verstopfung „funktionell“ ist, dann lohnt es sich immer, die eigene Lebensweise zu überdenken und zu verändern. Deshalb seien hier die wichtigsten Aspekte kurz zusammengefasst:
- Verstopfung ernst nehmen und verändern wollen. Bei einem täglichen beschwerdefreien Stuhlgang werden wir uns wohler fühlen. Aber selbst eine Erkrankung wie die Epilepsie kann sich bessern, wenn die Verstopfung überwunden wird!
- Gut frühstücken und sich dafür Zeit nehmen! Meine Empfehlung: ein Müsli mit Haferflocken, Leinsamenschrot, Sesam, Hefeflocken, einigen (auch gefrorenen) Heidelbeeren, mit kochendem Wasser übergossen und kurz ziehen lassen, dann Mandeln oder Mandelmus, frisches Obst, Naturjoghurt, Zimt und etwas Honig hinzufügen. Möglichst wenig Banane!
- Jeden Tag Gemüse essen, dazu – aber nicht anstatt – gerne Salat. Fleisch und Fisch in Maßen, Wurst meiden, Dessert ja, Süßigkeiten eher nein.
- Genügend trinken in der ersten Tageshälfte. Am Morgen am besten warm (Kräutertee). Kaffee möglichst als Espresso. Mit Schwarztee Zurückhaltung.
- Jeden Tag Bewegung an der frischen Luft, und möglichst, während die Sonne am Himmel steht!
Konventionell hat sich Macrogol als Medikament etabliert, das stark wasseranziehend wirkt. Zwei Basismittel ab dem Schulalter, die positiv die Organfunktion von Leber und Galle stärken und damit den Stuhlgang fördern, möchte ich noch nennen: Hepatodoron® Tabletten vor dem Abendessen kauen und schlucken, normal 3 Tabletten. Bei stärkerer Verstopfung auch morgens 3 Tabletten, bei Bedarf die Dosis noch steigern. Mit Choleodoron® Tropfen können Adoleszente und Erwachsene nach dem Essen den Darm anregen (2 – 3 x 15 Tropfen). Viele fühlen sich so wacher und schlafen nachts besser. Ein Tipp: Beide Mittel tun auch oft der Haut gut!
Dieser Beitrag stammt aus der info3-Ausgabe März 2025.



